Nach dem Winter steht der Ölwechsel an, und im Regal liegt noch ein 0W-30 aus dem Baumarkt. In einem luftgekühlten Sechszylinder ist das die falsche Wahl. Über die Haltbarkeit entscheiden dort zwei Werte, die auf modernen Gebinden kaum noch eine Rolle spielen: die Viskosität bei hoher Öltemperatur und der Zinkanteil im Additivpaket.
Warum ein Leichtlauföl im Luftgekühlten nicht trägt
Ein luftgekühlter Boxer regelt seine Temperatur zu einem großen Teil über das Öl. Im Sommerbetrieb liegen die Öltemperaturen deutlich über denen eines wassergekühlten Motors, und der Schmierfilm muss genau dann tragen, wenn er am dünnsten ist. Ein 0W-30 verliert an dieser Stelle den Film, den ein 20W-50 hält. Dazu kommt das Lagerspiel: ältere Kurbeltriebe sind weiter ausgelegt als heutige Konstruktionen, ein dünnes Öl baut dort weniger Druck auf, und zwar genau dann, wenn der Motor warm ist und Last anliegt. Der dritte Punkt ist der Zinkanteil. Moderne Öle sind darin begrenzt, weil Zink Katalysatoren schädigt. Ein direkt betätigter Ventiltrieb arbeitet aber im Mischreibungsbereich und braucht das Additiv an Nockenwelle und Kipphebel. Für 356, 912, 911 F und 914 ist deshalb ein mineralisches Mehrbereichsöl wie das Motul CLASSIC 20W-50 die sichere Wahl.
Welche Viskosität zu welcher Baureihe gehört
Mit dem Katalysator ändert sich die Rechnung. Das G-Modell und der 930 Turbo laufen mit dem teilsynthetischen Motul CLASSIC EIGHTIES 10W-40, das auf die Motoren der Achtziger abgestimmt ist. Bei frühen Baujahren ohne Katalysator bleibt das 20W-50 weiterhin möglich. Für 964 und 993 liegt die Viskosität nochmals niedriger, hier passt das Motul CLASSIC NINETIES 10W-30. Wer einen 356 oder 912 nur saisonal bewegt, kann statt eines Mehrbereichsöls auch ein Einbereichsöl nehmen: SAE 40 für den Sommer, SAE 30 für die kühlere Jahreszeit, SAE 50 bei hohen Temperaturen und hoher Laufleistung. Für Trackday und Rennbetrieb gelten eigene Regeln. Rennsportöle auf Ester-Basis tragen höher, haben dafür keine Werksfreigabe und sind auf kurze Wechselintervalle gerechnet.
Füllmenge, Intervall und Ölstand
Die Trockensumpfschmierung macht den Wechsel aufwendiger als bei einem Nasssumpfmotor. 356 und 912 nehmen rund 4,5 Liter, der 911 F rund 10 Liter, G-Modell und 930 Turbo 11 bis 13 Liter, der 964 ebenfalls 11 bis 13 und der 993 rund 11 Liter. Das sind Richtwerte. Maßgeblich ist der Ölstand, und der wird beim Trockensumpfmotor nur bei betriebswarmem Motor im Leerlauf abgelesen. Bewährt hat sich ein Wechsel pro Jahr, bei höherer Laufleistung alle 10.000 bis 15.000 Kilometer, je nachdem was zuerst eintritt. Der Ölfilter kommt bei jedem Wechsel mit heraus. Welche Sorte zu welcher Baureihe gehört und wie viele Dosen dafür nötig sind, steht gesammelt auf der Seite Motul Motorenöl für Porsche.
Die Viskosität richtet sich nach Motorkonstruktion und Öltemperatur, nicht nach dem Baujahr allein. Als Faustregel über die Baureihe: 20W-50 für die frühen Luftgekühlten ohne Katalysator, 10W-40 für das G-Modell und den 930 Turbo, 10W-30 für 964 und 993. Wer unsicher ist, gleicht die Sorte vor dem Kauf anhand von Baureihe, Baujahr und Motorvariante ab.